Jokinen 2016

Der Film erzählt die Migrationsgeschichte von August Jokinen, einem finnischen Kommunisten. Er wurde 1894 in Tampere geboren und wanderte 1916 in die USA aus. Er wurde bekannt durch einen Schauprozess wegen Rassismus, organisiert von der Kommunistischen Partei der USA 1931 in Harlem, New York. Im The Yokinen Trial war der Hausmeister des Finnischen Arbeiterklubs angeklagt, weil er drei afroamerikanische Kommunisten, die bei einer Tanzveranstaltung des Klubs belästigt worden waren, nicht verteidigte. Jokinen begriff nun, dass er falsch gehandelt hatte und versprach sich zukünftig für die Rechte der Schwarzen zu engagieren. Viele Zeitungen, unter anderen The New York Times, The Washington Post und The New York Herald Tribune berichteten über den Prozess. Möglicherweise wegen des großen Echos in der Presse wurde Jokinen bald nach dem Prozess von der amerikanischen Einwanderungsbehörde als Kommunist festgenommen. Der „echte“ Prozess Jokinens wurde im Bundesberufungsgericht und Obersten US-Gericht fortgeführt, bevor er das Verfahren verlor und wegen seiner politischen Überzeugung nach Finnland abgeschoben wurde. Er entschloss sich aber nach Petrozawodsk, ins sowjetische Karelien, umzuziehen in einer Zeit, als viele finnische Amerikaner in die Sowjetunion umgesiedelt sind.

Lokalisiert auf der Grenze zwischen historischer Recherche, Detektivgeschichte und Basteln, basiert der Film auf dokumentarischer Untersuchung. Er ist aber formal und erzählerisch unkonventionell. Jokinen baut sich aus Zeitungs- und Bücher-Zitaten, aber auch aus eigener Erzählung auf. Der Film benützt Texte aus den 1930er Jahren, die aus der heutigen Perspektive teilweise verletzend sind. Im Bloßlegen einer Geschichte aus den 1930er Jahren stellt die Künstlerin sich die Frage, ob es Gemeinsamkeiten zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit gibt.

Digital film, 45 min, 16:9, colour, sound

English, Finnish, Russian (English or Finnish subtitles available)

Installation: Projection screen 403 x 227 cm, loudspeakers, dark grey walls, carpet, four chairs

Narrators: Olad Aden, Artur Andreasjan, Peter Gilbert Cotton, Katri Kuusimäki, Leslie Malton, Pertti Rönkkö

Camera, lighting: Anne Misselwitz

Sound: Benjamin Kalisch, Lukas Lücke

Editing, dramaturgical advisor: Janina Herhoffer

Recording engineer, sound design: Jochen Jezussek

Colourist: Matilda Mester

English proofreading: Andrew Boreham

Finnish proofreading: Elina Mikkilä

Russian translation: Elena Loukianova, Maria Oshukova

Produced with the support of AVEK – The Promotion Centre for Audiovisual Culture, Kone Foundation and Arts Promotion Centre Finland

Installation photograph: Sinem Kayacan / Muu galleria, Helsinki

International Premiere: 67. Berlinale, Forum Expanded